Publikumsschelte scheint derzeit zum “guten Ton” zu gehören - zumindest pflegen Manager von Fußballvereinen diesen Sport auf ihren Jahreshauptversammlungen.
Nachdem er sich Kritik anhören musste, rastet Uli Hoeneß vom FC Bayern aus und beschimpft voller Wut die eigenen Fans: „Die Scheißstimmung, für die seid ihr doch zuständig und nicht wir. Es kann nicht sein, dass wir uns jahrelang den Arsch aufreißen und dann so kritisiert werden. Was glaubt ihr denn, wer ihr seid?“ (der Stern bringt die Wutrede im O-Ton) Mit einem offenen Brief versucht der Verein nach dieser Verbalattacke zu retten, was zu retten ist.
Auch Walter Seinsch, Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg, wählt auf der Jahreshauptversammlung markige und derbe Worte (siehe Augsburger Allgemeine). Forenschreiber, die im Internet ihre Meinung äußern, bezeichnet er als “Arschlöcher”, die Fans stellt er lapidar vor die Wahl: “Welchen Fußball wollt ihr in Augsburg? Einen italienischen FCA, mit Kriminalität und Mord, einen englischen FCA, einen Chelsea-FCA, wo ein Großkopferter regiert? Ihr seid der FCA, ihr entscheidet, und wenn es euch nicht passt, was mir machen, dann wählt uns ab.”
Einen Überblick über Wutreden, die aufhorchen ließen, liefert Spiegel Online.
Eines müssen sich die Fußballer jedenfalls nicht vorwerfen lassen: dass es auf ihren Hauptversammlungen langweilig zugehe. Doch auch wenn man sich auf den Hauptversammlungen börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland manchmal ein wenig mehr davon wünscht, an ihnen sollten sie sich kein Beispiel nehmen.
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